Begeisterung

Eine Gruppe von fünf Bechsteinfledermäusen wurde unlängst in einem ehemaligen Bunker nahe Jüterbog entdeckt. Für Gerhard Maetz, Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde Teltow-Fläming, ist das eine besondere Entdeckung. „Normalerweise beobachten wir maximal zehn dieser Tiere pro Winter im gesamten Landkreis. Eine Gruppe von fünf dieser Fledermäuse ist selten. Eines der Tiere war sogar beringt und gibt uns damit Informationen über seine jahreszeitliche Wanderung preis.“

Insgesamt wurden im Winter 2012/13 im Landkreis Teltow-Fläming 574 Fledermäuse in acht Arten beobachtet. 1995 waren es rund 50 Tiere, die im Raum zwischen Luckenwalde und Jüterbog gezählt wurden. Die Mühe der vergangenen Jahre hat sich also gelohnt. So wurden im Zuge des Rückbaus ehemaliger Kasernen durch die Brandenburgische Bodengesellschaft einige Keller für den Fledermausschutz erhalten und hergerichtet.

Auch auf den ehemaligen Übungsplätzen sicherte man Bunker und Keller für den Fledermausschutz. Außerdem wurden die seit 1918 südlich von Jüterbog gelegenen und nie für den Bahnverkehr genutzten Eisenbahntunnel für Fledermäuse hergerichtet. Diese Arbeiten werden durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Teltow-Fläming koordiniert und betreut. Einbezogen sind auch ehrenamtliche Naturschutzhelfer.

Bei den diesjährigen Kontrollen fand sich zur großen Begeisterung der Fledermausfreunde besagte Gruppe von fünf Bechsteinfledermäusen in einem ehemaligen Bunker ein. Er war 1998 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der NEUBA für die Fledermäuse hergerichtet worden. Zu diesem Zweck hatte man Hohlblocksteine und Zwischenwände eingebracht.

Zu 99 Prozent halten sich die Fledermäuse in den unter der Decke angebrachten Hohlblocksteinen auf. Dort verschlafen sie den Winter und leben von ihren Fettreserven. Bis zu 64 Fledermäuse in sechs Arten hielten sich bisher im Winter 2012/2013 in diesem Bunker auf.

Dort werden seit 2005 auch Bechsteinfledermäuse gesichtet. Von dieser, nach dem Forstmann Johann Matthäus Bechstein (1757 bis 1822) benannten Fledermausart, wurde 1998 die erste Wochenstube Brandenburgs im Golmgebiet bei Stülpe gefunden. In den Wochenstuben ziehen bis zu 30 Weibchen gemeinsam ihre Jungen auf. Eines der unlängst gefundenen Tiere wurde, wie eingangs angedeutet, am 2. August 2011 in der Wochenstube im Golmgebiet beringt.

Die erste Verordnung zum Schutz von Fledermäusen wurde in Deutschland übrigens schon am 21. Mai 1798 erlassen. Die „Altvorderen“ hatten erkannt, dass Fledermäuse Nachtschmetterlinge fressen. Deren Raupen vertilgen die Blätter und Nadeln von Bäumen und können somit Kahlfrass verursachen. Einer dieser Schmetterlinge ist der Eichenprozessionsspinner, der 2012 „in aller Munde“ war. Weil die Fledermäuse somit nützlich für den Menschen sind, wurden im Jahr 1798 Strafen bis zu 10 Thaler bei Verstößen gegen die Verordnung ausgesprochen.

Die Grundlage für die Fledermausberingung schufen übrigens die Mönche des Klosters Zinna mit ihrem Kalksteinabbau bei Rüdersdorf. In den dortigen unterirdischen Abbaustrecken begann Professor Martin Eisentraut von der Humboldt-Universität Berlin im Winter 1931/32 als Erster in der Welt mit der Fledermausberingung. In Rüdersdorf werden seit über 80 Jahren in jedem Winter die Fledermäuse gezählt – die längste Dauerbeobachtung weltweit.

Langzeitbeobachtungen wie im Raum zwischen Luckenwalde und Jüterbog geben Auskunft über die Bestandsentwicklung der Fledermäuse. Die Herrichtung ehemaliger Militärobjekte schafft kostengünstig neue Quartiere, da durch die Umnutzung von Kellern und den Abriss von Kasernen einige Quartiere verschwunden sind.

6.2.2013