HIV – (K)ein Thema?

AIDS und HIV sind heutzutage längst keine Tabu-Themen mehr. Vor allem junge Menschen sind aufgeklärter und informierter denn je. Sie wissen, wie sie sich schützen können und gehen offensiv mit der Problematik um. Doch gilt das für alle? Und was ist beispielsweise mit Menschen um die 40? Jenen, die das Thema nicht schon intensiv in der Schule behandelt und – möglicherweise unwissend – vielleicht die eine oder andere Risiko-Situation erlebt haben?



Ihnen allen steht die HIV-Beratung des Gesundheitsamtes Teltow-Fläming anonym und unentgeltlich zur Verfügung. Sozialarbeiterin Daniela Teichert hat sich in die Situation eines Ratsuchenden hineinversetzt und geschildert, wie so ein Beratungsgespräch ablaufen könnte. Zwar sind die Namen der Betreffenden frei erfunden, doch die Handlung könnte durchaus real sein…



Simon ist aufgeregt. Erneut steigen Zweifel in ihm auf. Ist es überhaupt notwendig, einen Test zu ma­chen? Moni und er sind jetzt schon seit sieben Monaten zusammen. Und es hat so was von gefunkt zwischen den beiden. Kennengelernt haben sie sich beim Brückenfest in Ludwigsfelde und waren sich gleich so sympathisch. Schon am nächsten Tag hatten sie beide ihr erstes Date. Und nun ver­bindet sie eine unglaublich tiefe und schöne Beziehung. Sie können sich alles sagen, haben keine Geheimnisse voreinander. So etwas hat Simon noch nie erlebt, auch nicht in den beiden Partnerschaften, die er vor Moni hatte.



Simon steigt in die Schuhe, zieht die Jacke über und greift nach dem Wohnungsschlüssel. Er über­legt. Braucht er noch irgendetwas für den Termin? Unsicher packt er seinen Impfausweis und etwas Schreibzeug ein. Seinen Personalausweis und Geld wird er nicht brauchen. Die Frau am Telefon hat ihm noch einmal versichert, dass der HIV-Test anonym und kostenlos ist. Simon findet das Angebot gut. Er weiß, dass sein Hausarzt den Test auch durchführen würde. Aber dann müsste er ihn bezah­len und ihm erklären, dass Moni und er eine Familie gründen und deshalb auf Kondome verzichten wollen.



Eigentlich ist er sich ja sicher, dass er negativ ist. Aber kurz vor Moni gab es diese Nacht mit Karin. Es war dumm und nur einmal. Er fühlte sich einsam und Karin war halt da. Natürlich kennt Moni Karins zahlreiche Männergeschichten auch, darum hat er ihr von diesem wirklich bedeutungslosen Abenteuer gar nicht erst etwas erzählt. Aber das möchte er seinem Hausarzt wirklich nicht alles erklären müssen. Und außerdem ist die Arzthelferin mit seiner Mutter befreundet. Es gibt zwar Datenschutz, aber ob sich da immer alle dran halten…?



Simon steigt ins Auto und fährt los. Viele Gedanken zum Thema HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten hat er sich bisher nicht gemacht. Ja, man hört hier mal etwas und da lacht man beim Bier über eine Geschichte mit Tripper. Aber passiert das nicht immer nur anderen? Doch seit er mit Moni über Familienplanung gesprochen hat, denkt er häufiger darüber nach, dass man beim Sex auch Verantwortung für die Gesundheit übernehmen muss.



Als Simon auf das Angebot vom Gesundheitsamt gestoßen ist, hat er gleich angerufen, um einen Termin zu vereinbaren. Die Beraterin am Telefon hat schon ziemlich intime Fragen gestellt. Sie wollte unter anderem wissen, ob und wann es eine riskante Situation gab, zum Beispiel wie ungeschützten Sex. Aber als sie ihm das mit dem diagnostischen Fenster erklärt hat, also dass die letzte Risikosituation drei Monate zurückliegen muss, bevor man einen aussagefähigen Test machen kann, hat er die Notwendigkeit der Frage verstanden. Da er seinen Namen nicht nennen musste, ist ihm die Beantwortung auch gar nicht schwer gefallen.



Simon klopft an die Tür. Er wird nett begrüßt und mit einem anonymen Fragebogen versorgt. Die Be­raterin erklärt ihm, dass sie durch die Fragen besser einschätzen kann, wie hoch das HIV-Risiko überhaupt ist. Auf dem Bogen muss er u. a. angeben, wie viele Partner er in der letzten Zeit hatte und ob er ungeschützt mit ihnen verkehrt hat. Seine Antworten werden im Beratungsgespräch genutzt, um über HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten zu informieren. Auch über sein eigenes Ver­halten beim Schutz vor Krankheiten wird gesprochen. Seinen Impfausweis benötigt er nicht.



Simon hat schnell Vertrauen zur Beraterin gefasst. Klar ist es schwierig, mit Fremden über intime Details aus dem Schlafzimmer zu reden, aber er merkt, dass hier nichts moralisch bewertet wird. Das gefällt ihm sehr gut. Nach der Beratung geht Simon zu einem Arzt in ein benachbartes Zimmer, um Blut abnehmen zu lassen. Das geht flott und professionell.



Simon weiß, dass das Ergebnis in ca. einer Woche vorliegt und er dann noch einmal zu einem Auswertungsgespräch kommen muss. Er hat schon ein wenig Angst vor dem Ergebnis.



Um sich noch intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, nimmt er sich einige Informationsbroschüren mit. Heute hat er zwar viel Neues erfahren, zum Beispiel, dass man unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr an Aids sterben muss oder dass es für Frauen Wege gibt, trotz bestehender HIV-Infektion ein nicht infiziertes Baby zur Welt zu bringen. Aber einiges will er doch noch einmal genau nachlesen. Auf jeden Fall möchte er Moni von dem Test erzählen und sie fragen, ob sie nicht auch Lust hat, ihren HIV-Status zu erfahren. Dann würde der Familienplanung nichts mehr im Wege stehen.



HIV-Beratung im Gesundheitsamt Teltow-Fläming – anonym und unentgeltlich



Ludwigsfelde: Straße der Jugend 63, Zimmer 105

Ansprechpartnerin: Frau Teichert, Tel. (03378) 803608
E-Mail daniela.teichert@teltow-flaeming.de)

(vorherige Terminabsprache notwendig)



Luckenwalde: Am Nuthefließ 2, Zimmer C0-0-05

Ansprechpartnerin: Frau Schäfer, Tel. (03371)/ 608 3892
E-Mail: elke.schaefer@teltow-flaeming.de)


(5.7.2013)