Stachlige Freunde

Stachlige Freunde
Igel sind Wildtiere - nur in Ausnahmefällen müssen sie vor dem Winter in Sicherheit gebracht werden

Alljährlich im Herbst bekommen Daniel Jonelat und Hans-Joachim Sommer, die zuständigen Artenschützer in der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, zahlreiche Anrufe wegen gefundener, vermeintlich hilfloser oder zu kleiner Igel. Es wird angenommen, dass die Tiere die kalte Jahreszeit aus eigener Kraft nicht überleben und daher in menschlicher Obhut hochgepäppelt und überwintert werden sollten. Hinzu kommen zahlreiche Meldungen in den Medien, die dazu führen, dass Jungigel regelrecht eingesammelt werden, um die kleinen Tierchen ‒ gut gemeint, aber leider völlig kontraproduktiv ‒ zu retten.

Natürlich ist die untere Naturschutzbehörde froh über jeden Mitbürger, der sich für die wild lebenden Tiere im Landkreis einsetzt. Gerade Igel erfreuen sich dabei wegen ihres stacheligen Charmes, des putzigen Gesichtes, ihrer etwas linkischen Fortbewegung und als fleißige Schneckenvertilger im Hausgarten großer Beliebtheit. Allerdings muss aus wissenschaftlicher und rechtlicher Sicht zum „Einsammeln“ von Jungigeln richtiggestellt werden:

Wildtiere und natürliche Auslese
Igel sind Wildtiere und gehören (bis auf ganz wenige Ausnahmen) nicht in Menschenhand. Ihre Nachwuchsrate ist von der Natur so „kalkuliert“, dass nur eine Minderheit der Jungigel den Winter tatsächlich überlebt. Das ist für die Auslese der „fittesten“ Tiere und für die Überlebensfähigkeit der gesamten Igelpopulation wichtig. Diejenigen, die nicht so gut angepasst sind, werden dadurch von der weiteren Fortpflanzung ausgeschlossen. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist eine erfolgreiche Anpassung an veränderte Umweltbedingungen für die Igel überlebenswichtig.

Nur verwaiste Jungtiere aufnehmen
Grundsätzlich sollten die stachligen Gesellen nicht vor Anfang November bzw. vor Dauerfrost oder Schnee aufgenommen werden – es sei denn, sie sind offensichtlich verletzt, krank oder bereits als Säuglinge verwaist.

Die Entscheidung, ob es sich tatsächlich um verwaiste Igelsäuglinge handelt, darf nicht leichtfertig getroffen werden. Säuglinge mit geschlossenen Augen und Ohren, die tagsüber, ohne dass sie gestört worden sind, außerhalb des Nestes angetroffen werden, sollten erst nach längerer Beobachtung aus sicherer Entfernung aufgenommen werden. Es ist immer möglich, dass das Muttertier die Kleinen wieder zurück ins Nest holt.

Schlechtere Überlebenschancen für Überwinterer
Zudem haben Tiere, die in Menschenhand überwintert werden, denkbar schlechte Startbedingungen im kommenden Frühjahr. Sie werden besonders stark von Parasiten befallen und werden in ihnen fremden Revieren ausgesetzt. Dort stoßen sie meist auf Konkurrenz anderer Igel, finden sich nicht zurecht und haben dadurch insgesamt schlechte Überlebenschancen.

Natürlichen Lebensraum schützen
Also, nicht aus falsch verstandener Tierliebe den natürlichen Gang des Igellebens unterbrechen, sondern lieber im Garten für Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten sorgen (zum Beispiel Reisighaufen; Kompost, Holzstapel o. ä.) und keine Gifte einsetzen. Auch sollte der Zaun zu Nachbars Garten für den Igel durchlässig sein, damit er vielleicht dort eine Partnerin findet, mit der er im nächsten Jahr wieder bis zu zehn Jungtiere zeugen kann.

Weitere Auskünfte
Bei Fragen stehen Daniel Jonelat, Tel. (03371) 608-2501 und Hans-Joachim Sommer, Tel. (03371) 608-2504 aus dem Umweltamt Teltow-Fläming gern zur Verfügung.