Tempo 70

Tempo 70 wird künftig auch auf einigen Landstraßen im Landkreis Teltow-Fläming gelten. Dafür gibt es gute Gründe: Im ersten Halbjahr 2012 kam es im Landkreis Teltow-Fläming zu 1.974 Verkehrsunfällen. Dabei wurden 72 Personen schwer, 185 leicht und 8 tödlich verletzt. Diese Zwischenbilanz hat die kreisliche Verkehrsunfallkommission auf ihrer Sitzung Ende Juni zur Kenntnis nehmen müssen.

Jeden dritten Verkehrstoten und 16 Prozent aller Verletzten gab es bei 68 Baumunfällen. Sie machen einen Anteil von 3,4 Prozent an der Gesamtanzahl der Unfälle aus. Eine erschreckende Bilanz, welche die Entwicklung der vergangenen Jahre aber bestätigt. Zwar sinkt tendenziell die Anzahl der Baumunfälle, aber die Anzahl der Verletzten und die Schwere der Unfallfolgen ist unverändert. Im Jahr 2011 gab es vier Tote und 53 Verletzte bei 165 Baumunfällen im Landkreis.

Eine Analyse der Baumunfälle in den Jahren 2008 bis 2010 auf Bundes- und Landesstraßen außerorts in Brandenburg kam zu dem Ergebnis, dass sich u. a. im Landkreis Teltow-Fläming mit 18 Unfällen in 3 Jahren die meisten tödlichen Baumunfälle in Brandenburg ereigneten. Unfallursachen sind mit 58,7 Prozent Fahrfehler des Fahrzeugführers und 51,3 Prozent unangemessene Geschwindigkeit (Es treffen meist mehrere Ursachen zusammen).

Bei der Untersuchung der Unfallfaktoren zeigte sich, dass bei 70 km/h eine deutliche Reduzierung der Anzahl und der Schwere der Unfallfolgen eintritt.
Im Ergebnis der Analyse haben das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft und das Ministerium des Innern in einem gemeinsamen Runderlass vom 8. Juli 2011 die Landkreise als örtliche Straßenverkehrsbehörde aufgefordert, die gewidmeten öffentlichen Straßen mit dichtem Baumbestand außerhalb geschlossener Ortschaften zu analysieren. Ist kein Fahrzeug-Rückhaltesystem (Leitplanken) als Sicherheitsvorrichtung vorhanden, ist als „Kompensationsmaßnahme“ die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h zu beschränken.

Parallel unternimmt der Landesbetrieb für Straßenwesen Anstrengungen, um den Ausstattungsgrad mit Leitplanken in seinem Zuständigkeitsbereich weiter zu verbessern.
Ziel der Maßnahmen ist es, Baumunfälle und deren schwere Folgen zu verhindern, dabei aber auch einen gleichmäßigen Verkehrsfluss zu anzustreben. Das schafft mehr Verkehrssicherheit und schont die Umwelt sowie Bäume.
Im Landkreis wurden bisher gemäß dem Runderlass die Bundes- und Landesstraßen außerhalb von Ortschaften analysiert. An vielen gefährlichen Stellen gibt es bereits Fahrzeug-Rückhaltesysteme, aber nicht überall. An den betreffenden Straßenabschnitten stehen mindestens 15 Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 25 Zentimetern auf einer Strecke von 500 Metern. Der Abstand der Bäume vom Fahrbahnrand beträgt 4,50 Meter oder weniger.
Grundlage für die Anordnung von Tempo 70 bildet der § 45 Abs. 9 der Straßenverkehrsordnung. Beschränkungen des Verkehrs werden danach dort erfolgen, wo von einem höheren Risiko und Gefahr für das Leben und die Gesundheit der Verkehrsteilnehmer ausgegangen werden muss. Neben den Kriterien des Erlasses werden durch Vor-Ort-Besichtigungen und Auswertungen von Video-Befahrungen die örtlichen Verhältnisse sehr genau geprüft. Dazu zählen der Straßenverlauf, die Licht- und Sichtverhältnisse sowie Kreuzungen und Einmündungen und auch das Unfallgeschehen.

An gefährlichen Straßenabschnitten, die jetzt wieder im Blick sind, wurden bereits vor Jahren Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 80 km/h und an besonders gefährlichen Kurven und Unfallhäufungsstellen Beschränkungen auf 60 km/h angeordnet. Im Landkreis gibt es auch außerörtliche Straßenabschnitte, für die die zulässige Höchstgeschwindigkeit aufgrund der örtlichen Verhältnisse und des Unfallgeschehens auf 50 km/h und teilweise auf 30 km/h beschränkt werden musste. Dies betrifft zum Beispiel die Osdorfer Straße in Richtung Ortseingang Berlin.
Erste Beschränkungen auf Tempo 70 wird es auf der B 96 zwischen Baruth und Wünsdorf geben. Dies betrifft Straßenabschnitte, für die bereits Tempo 80 angeordnet war. Auch auf der L 73 zwischen Baruth und Dobbrikow (Kreisgrenze) ist eine derartige Begrenzung notwendig. Derzeit sind auf den beiden Straßen ca. 19,7 km von der Neuregelung betroffen.

In den nächsten Monaten werden noch rund 220 km Kreisstraßen sowie die Gemeindestraßen begutachtet. Ende 2012 soll der Runderlass im Landkreis umgesetzt sein. Danach wird die kreisliche Unfallkommission in einem Vorher-Nachher-Vergleich die Entwicklung des Unfallgeschehens untersuchen.

Die Alleen im Land Brandenburg und damit auch im Landkreis Teltow-Fläming gehören zum Straßenbild und müssen mit der Gewährleistung der Verkehrssicherheit in Einklang gebracht werden. Unfälle wird es auch weiterhin gegeben, aber ihre Folgen werden hoffentlich nicht mehr so dramatisch sein.
Verkehrssicherheit beginnt aber zunächst im Kopf und mit der Beachtung der Verkehrsregeln. Der Fahrzeugführer darf ohnehin nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht. Er hat seine Geschwindigkeit insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie seinen persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen (§ 3 Absatz 1 StVO).